Sonntag, 22. September 2019

Canada Teil 17: Neufundland St. John's


Für diesen Tag hatte ich Sightseeing St. John's geplant. 
Ich merkte schon früh morgens, dass der Spruch über das sich alle zehn Minuten ändernde Wetter definitiv nicht stimmte. Zu dem Nebel war nämlich nun auch noch Regen dazu gekommen. Kein normaler Regen, nein ein fieser starker Nieselregen der quer fällt. Da hilft kein Schirm, es sprüht horizontal ins Gesicht und überall hin. Meine Gastgeberin sagte man nennt diesen Regen "misty" - ja, Mist fand ich das sehr wohl.
Ich fuhr trotzdem zunächst nach St. John's und weil bei Regen eins immer geht - Museum - war meine erste Anlaufstation das Geo Center. Das ist ein interaktives Museum mit dem Schwerpunkt Geologie und Eisberge und einer großen Titanic Ausstellung. 

Das Geo Center steht unterhalb von Signal Hill und ist tief in den Berg hinein gebaut. Lediglich der Eingang / Empfang, Info-Center und Gastronomie befinden sich über der Erde in diesem Gebäude. Die Ausstellungsräume sind unterirdisch ins Felsgestein gebaut.


 Ich besuchte als erstes die Titanic Ausstellung, die mich sehr fasziniert hat.


Alle Vorkommnisse sind "minutengenau" beschrieben, sehr gut erklärt und immer mit "The Truth" also der Wahrheit, wie es wirklich war, kommentiert. Das Modell eines Eisbergs fand ich ebenso interessant wie das Modell der gesunkenen Titanic im Meeresgrund und die realen Bilder im Simulator. Da konnte man quasi durch das gesunkene Schiff schwimmen.


Die zweite Ausstellung war ebenso interessant. 
"Unser Planet", "unsere Province", "unsere Menschen" waren die Oberbegriffe. 
Rechts im Gang sieht man übrigens Berg-Gestein, die Felsen von Signal Hill.


In dem Bild links oben sieht man die Erde in den unterschiedlichen Zeitepochen und den sich verändernden Landmassen. So war gut zu verfolgen, wie sich die Kontinente im Laufe der Jahrtausende aus einer ursprünglichen Fläche gebildet haben. In dem Bild rechts oben sieht man die Felsen von Signal Hill, keine gebaute Wand neben dem Gang sondern der nackte ursprüngliche Fels. 


Nachdem ich im Geo-Center alles gesehen hatte, das Wetter leider nicht besser geworden war beschloss ich trotzdem einen Rundgang durch St. John's zu machen. Ich startete an der Basilika of St. John the Baptist.  Diese katholische Kirche wurde Ende des 18. Jahrhunderts von irischen Siedlern gegründet und ist das Hauptsymbol der Katholiken in Neufundland.


Das heutige Gebäude wurde zwischen 1839 und 1855 im Design der romanisch-italienischen Kirchen gebaut. Sie war damals das größte Kirchengebäude in Canada und ist heute nach dem St. Josephs Oratorium in Montreal das zweitgrößte.


Der Vorplatz der Basilika.


Danach ging es in die Altstadt, vorbei am Gebäude des obersten Gerichts (Bild Mitte), über die Water Street mit den ganzen alten kleine Geschäften und endlich auch Canadas "Nationalgericht" - eine Portion Timbits...


St. John's hat mit seinen Pubs und Bars angeblich die längste Theke Nordamerikas. Die alten Gebäude sind auf jeden Fall ein Hingucker. Lustig fand ich das CornerStone Building (unten links und rechts) Es war zuerst ein Fischerei Laden, dann eine Kirche, anschließend eine katholische Mädchenschule "Sister's of Mercy", danach hatten diverse Firmen ihren Sitz in dem Gebäude bis es zu einer Sportsbar wurde und heute ist dort der Cotton Club beheimatet. Also von einer katholischen Mädchenschule zu einem Etablissement mit roter Laterne ....


Die steilen Straßen die alle hinab Richtung Hafen führten fand ich ebenso beeindruckend


wie das Wirrwarr an Oberleitungen.


Ein wichtiger Punkt auf meiner Liste war das Terry Fox Monument. Ich finde er war ein sehr beeindruckender Mensch. Als 18jähriger wurde bei ihm Knochenkrebs diagnostiziert, er verlor ein Bein, ließ sich aber davon nicht abhalten weiter zu laufen. Er trainierte 18 Monate lang und lief zur Vorbereitung über 5000 km. Am 12. 04.1980 begann er seinen Marathon of Hope. Sein Ziel war es täglich die Marathonstrecke von 42 km zu laufen - quer durch Canada - und dabei Spenden für die Krebsforschung zu sammeln. 


Er füllte in St. John's eine Flasche mit Atlantic-Wasser und wollte den Inhalt in Vancouver in den Pacific gießen. Nach 143 Tagen hatte er 5373 Kilometer hinter sich als er in Ontario seinen Lauf abbrechen musste. Seine Lungen waren zu stark vom Krebs befallen. Er starb 1981 mit gerade mal 22 Jahren. Ich finde diesen Menschen wirklich bemerkenswert. Er hat die Krankheit Public gemacht und die Menschen dafür sensibilisiert. Noch heute finden weltweit Benefiz Marathons in seinem Namen statt.


Es fing wieder stärker an zu regnen, also huschte ich ins Craft Council


und bestaunte die ausgestellten Werke.


In diesen Vorhang habe ich mich verliebt. Er steht seitdem auf meiner To-Do Liste. 
Die Wandbilder aus Stoff, Spitze, Borte und Knöpfen fand ich sehr kreativ.


Quilting mal anders, eine spezielle Form des Crazy Quilts. 


Da kann man wirklich jedes noch so kleine Schnipselchen an Stoffresten verarbeiten. 


Das Wetter blieb so schlecht, als musste ich wohl oder übel durch den Regen. Zeitweise habe ich meine Camera eingepackt und nur mit dem Mobile fotografiert, weil es mir einfach zu nass war.


Beim Fotografieren der bunten Häuserzeilen passierte etwas für mich als Ruhrpottkind Unvorstellbares: Ich stand mit meiner Camera am Straßenrand und fotografierte die gegenüberliegende Häuserzeile. Ich bemerkte beim Fotografieren, dass kein Auto durchs Bild fuhr. Als ich die Camera herunternahm standen auf beiden Seiten Autos. Sie hatten angehalten, damit sie mir nicht durchs Bild fahren. Ein Fahrer nickte mir fragend zu, ob ich fertig wäre, dann fuhren die Autos weiter. So sind sie, die Canadians! Mein verblüfftes Gesicht hätte ich gerne gesehen.... 


Diese Häuserreihe gefiel mir besonders gut. 


Mit dem GPS in der Hand lief ich zurück zum Auto


kreuz und quer durch die Straßen


Ich habe meine Parkpositionen immer im GPS abgespeichert, damit ich auf jeden Fall zurück finde.


Noch ein paar farbenfrohe Häuser im grauen Nass


und - jaaaa - SCHOKI


Ich wollte aber keine Schoki kaufen, sondern mich irgendwo ins Trockene setzen, also fuhr ich rauf zum Besucherzentrum am Signal Hill. Dort ist nämlich das Chocolate Company Café. Der heiße Kaffee tat gut und das Schokoladeneis war super lecker. Ich stöberte im Internet und überlegte, was ich mit diesem nassen Tag denn nu noch anfangen würde. Bei dem Wetter weiter durch die Straßen zu rennen, dazu hatte ich jedenfalls keine Lust mehr.


Ich fuhr zum Newfoundland & Labrador Confederation Building (hauptsächlich wegen eines Geocaches). Die Statue von John Cabot, der Neufundland entdeckte und als erster Europäer das nordamerikanische Festland erreichte, ist auf jeden Fall ein Foto wert.


Dann fuhr ich quer rüber an die Westküste in die Portugal Cove. 


Viel besser war das Wetter hier leider nicht


aber es lohnte sich auf jeden Fall landschaftlich.


Ich fotografierte ein wenig und fuhr dann weiter. 


Auf dem Weg quer durch die Landschaft zurück Richtung B&B kam ich an diesem  See vorbei


und da es gerade trocken war 


machte ich noch einen kleinen Spaziergang am Ufer lang.


Anschließend fuhr ich zurück ins B&B wo es ein leckeres gemeinsames Abendessen gab. Es war ein kleines Abschiedsessen denn die Hälfte der Gäste - darunter auch ich - würden am nächsten Tag abreisen. Nach einem gemütlichen Abend mit vielen Gesprächen und Geschichten schlief ich das letzte mal in Canada ....

verlinkt bei Urlaubslinkparty

Canada 2016 Teil 1: Ein Traum wird wahr
Canada 2016 Teil 2: Halifax Public Gardens
Canada 2016 Teil 3: Halifax Sightseeing
Canada 2016 Teil 4: Halifax Waterfront
Canada 2016 Teil 5: von Halifax nach Cape Breton
Canada 2016 Teil 6: Cape Breton - Regen & Nebel
Canada 2016 Teil 9: Prince Edward Island
Canada 2016 Teil 10: New Brunswick - Fundy National Park
Canada 2016 Teil 11: Zurück nach Nova Scotia / Annapolis
Canada 2016 Teil 12: NovaScotia Southshore
Canada 2016 Teil 13: Kejimkujik National Park
Canada 2016 Teil 14: Lunenburg & Peggys Cove
Canada 2016 Teil 15: Neufundland Cape Spear
Canada 2016 Teil 16: Neufundland Wasser & Nebel


Mittwoch, 18. September 2019

Canada Teil 16: Wasser und Nebel

Der heutige Plan: zuerst in die Bay Bulls zu einer Schiffstour, danach in den ButterPot Provincial Park zu einer kleinen Wanderung um die Aussicht auf die wunderschöne Landschaft zu genießen
 und anschließend quer durch die schöne Landschaft nach St. John's zum Signal Hill


Da auf Cape Breton die Whale Whatching Tour wegen des Sturms ausgefallen war (siehe Teil 7
habe ich überlegt, hier eine Bootstour zu machen. Die nette Angestellte klärte mich dann aber 
darüber auf, dass die Wal-Saison hier oben bereits vorbei sei. Sehenswert wären die Puffins und 
die Küstenlandschaft vom Meer aus. Also habe ich ein Ticket gekauft und bin mitgefahren.


Die schöne schroffe Felsenküste sieht vom Wasser her noch spektakulärer aus.


Puffins gab es wie versprochen in Massen zu sehen. Leider sind die Papageientaucher so schnell, 
dass es für mich ausgesprochen schwierig war sie klar und scharf zu fotografieren - noch dazu mit meinem "Reise"-Objektiv, vom schwankenden Boot aus und bei einsetzendem Nieselregen.


Wir fuhren an kleinen Inseln und Landzungen vorbei


an beeindruckenden kargen Küstenstreifen


die mal glatt und mal rauh sind.


obenauf immer weiß durch den Vogelkot


Hinter jeder Bucht ein neuer Blick


auf Stellen die vom Land aus nicht erreichbar sind.


WUNDERSCHÖN


Nach der Bootstour fuhr ich ins Landesinnere zum Butterpot Provincial Park. Es war sehr diesig, so dass ich von der Landschaft nicht allzu viel zu sehen bekam. Meine Gastgeberin hatte mich morgens mit dem Satz "wenn dir das Wetter auf Neufundland nicht gefällt, warte 10 Minuten, dann kommt ein anderes Wetter" verabschiedet. Also fuhr ich voller Hoffnung, dass es im Landesinneren vielleicht nicht so diesig wäre durch die Landschaft.


Im Park suchte ich mir einen kleinen Trail aus und wanderte bergauf. Nach etwa zwanzig Minuten hatte ich das Gefühl, ich wäre zwischen Wolken, suchte mir einen Aussichtspunkt und ... war über den Wolken - naja, über dem Nebel? Mittendrin? Die Aussicht war einfach weg... in nullkommanix war es so neblig geworden, dass ich nur ein paar Meter weit schauen konnte. 


Ich kehrte auf der Stelle zurück zum Auto. Hier im Landesinneren saß der Nebel fest, ich sah kaum etwas von der Landschaft und fuhr nach St. John's.  Ich dachte direkt an der Küste wäre der Nebel nicht so dick - oder vielleicht auch ganz weg - das Wetter soll sich hier ja ständig ändern. Ich wollte rauf zum Signal Hill, der Festung von der aus die Einfahrt in den Hafen bewacht wird und wo Guglielmo Marconi 1901 das erste transatlantische Funksignal empfing.


Am Parkplatz des Besucherzentrums angekommen empfing mich ... NEBEL .... diese östliche Halbinsel von Neufundland auf der auch die Hauptstadt St. John's liegt heißt Avalon und mir 
fiel ein Buch ein, welches ich vor vielen Jahren gelesen hatte: Die Nebel von Avalon ... 


Ich lief ein Stück über die Wanderwege  und konnte schon von hier aus den Hafen kaum erkennen.


Die Sicht war stark eingeschränkt.


Als ich die erste Queens Battery Barrack erreichte, war die Nebelwand so dicht


als würde man gegen einen weißen Vorhang schauen.


Von hier aus geht der Blick genau auf die Hafeneinfahrt. Sie war noch zu erkennen ...


Das muss ohne Nebel ein sehr schöner Blick sein.


Der vernebelte Blick in den Hafen


und rauf auf Signal Hill zum Turm - er ist soeben noch zu erahnen


Es machte bei dem Wetter keinen Sinn weiter zu laufen, also beendete ich meine Tour.
Der Nebel hatte mich den ganzen Tag begleitet und mittlerweile war mir klar, der Wetterspruch der Neufundländer trifft definitiv nicht zu. Am nächsten Tag wollte ich mir St. John's anschauen. Abends nahm ich im B&B noch ein paar wertvolle Ratschläge entgegen und genoss ein von meiner Gastgeberin zubereitetes traditionelles Neufundländisches Abendessen.

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Canada 2016 Teil 1: Ein Traum wird wahr
Canada 2016 Teil 2: Halifax Public Gardens
Canada 2016 Teil 3: Halifax Sightseeing
Canada 2016 Teil 4: Halifax Waterfront
Canada 2016 Teil 5: von Halifax nach Cape Breton
Canada 2016 Teil 6: Cape Breton - Regen & Nebel
Canada 2016 Teil 9: Prince Edward Island
Canada 2016 Teil 10: New Brunswick - Fundy National Park
Canada 2016 Teil 11: Zurück nach Nova Scotia / Annapolis
Canada 2016 Teil 12: NovaScotia Southshore
Canada 2016 Teil 13: Kejimkujik National Park
Canada 2016 Teil 14: Lunenburg & Peggys Cove
Canada 2016 Teil 15: Neufundland Cape Spear