Mein Samstagsplausch wird heute ein Sonntagsplausch, denn gestern war hier der erste "Großkampftag". Was bedeutet das? Dafür muss ich etwas weiter ausholen:
Es ist ungefähr ein Jahr her, dass in mir der Wunsch nach einer Veränderung geboren wurde - nach einer tiefer greifenden Veränderung - nach einer beruflichen Veränderung. Zusammen mit meiner Liebe für den Norden und der Sehnsucht nach Meer wuchs in mir die Idee, einmal alles zu verändern. Warum nicht einen neuen Job im Norden suchen, ans Meer ziehen? Ja das klingt jetzt ziemlich nach Träumerei, aber es muss ja keine Träumerei bleiben. Meine Kinder sind erwachsen und leben ihr eigenes Leben. Warum es nicht einfach versuchen? Meine Tochter war der Meinung: Mama mach das! Nach einiger Überlegung kam ich zu dem Ergebnis: Wenn ich es jetzt nicht wenigstens versuche, dann ärgere ich mich den Rest meines Lebens darüber, es nicht versucht zu haben.
Ich bin Mitte Fünfzig
wenn nicht jetzt, wann dann?
Ich habe die Jobangebote gecheckt, im Norden und auch hier im Ruhrgebiet. Da wurde schnell klar: der Norden hat die interessanteren Jobangebote. Fünf ganz gezielt geschriebene Bewerbungen ergaben folgendes Resultat: 1 Job war längst vergeben (man hatte lediglich vergessen die Stellenbeschreibung auf der Homepage zu entfernen), 1 Absage, 2 mal wurde ich zum Vorstellungsgespräch geladen, habe aber festgestellt, dass sie doch nicht so toll sind (diverse Gründe) und 1 Termin verschaffte mir meinen neuen Job. Insgesamt war es das interessanteste Angebot und ich freue mich auf die Veränderung. Am 01.11. trete ich meine neue Stelle an.
Schwieriger gestaltete sich dann die Wohnungssuche, denn der Wohnungsmarkt ist dort nicht besser als hier im Ruhrgebiet. Auf unzählige Wohnungsbewerbungen kam nicht einmal eine Antwort. Manchmal hat man aber auch einfach Glück, denn als ich mich in Gedanken schon während der ersten Arbeitswochen in einer teuren Ferienunterkunft oder einem Hotelbett sah, kam der Tip einer lieben Internetfreundin die dort oben lebt und die ich in diesem Sommerurlaub das erste Mal im realen Leben getroffen habe. (Darüber habe ich hier berichtet). Ich habe mich beworben und als der erste Interessent absprang konnte ich mir die Wohnung anschauen: sie gefiel mir gut und ich bekam den Zuschlag.
Mein neues Zuhause liegt in Kappeln an der Schlei, in einer ruhigen Anliegerstraße, nur zwei Fußminuten von der Schlei entfernt. Zur Arbeit (direkt am Meer) sind es 6 km, abgetrennt von der Straße führt ein Radweg dorthin, so dass ich ab dem Frühjahr den Weg mit dem Rad fahren kann.
Nun habe ich einen neuen Job, eine neue Wohnung und lebe und arbeite bald da, wo andere Urlaub machen. Klingt toll, oder? Vorher gilt es allerdings noch eine Hürde zu nehmen: den Umzug.
Ein Umzug über nahezu 500 km ist nicht so einfach, auch nicht, wenn man wie ich schon Umzugserprobt ist. Da kann man nicht mal eben noch rüber in die andere Wohnung fahren um etwas zu erledigen oder hinzubringen oder dem Möbellieferanten die Tür zu öffnen. Da habe ich gerade einiges zu tun und auch schon hinter mir. Renovieren musste ich nicht, die Wohnung wurde komplett renoviert mit neuem Bad und inklusive neuer Einbauküche übergeben (in Schleswig-Holstein sind Einbauküchen Standard in Wohnungen). Ich habe allerdings im Wohnzimmer und Schlafzimmer je eine Wand noch farbig gestaltet. Schwierig ist es, wenn man abends 500 km rauf fährt (ok, stimmt nicht ganz, ich lege meistens auf 3/4 der Strecke bei meinem Bruder einen Übernachtungsstop ein), um am nächsten Tag den Möbellieferanten rein zu lassen und der den Termin auf den letzten Drücker mal eben um eine Woche verschiebt... Also eine Woche später noch einmal rauf ...

Hier in der alten Wohnung türmen sich die Umzugskisten und gestern, am sogenannten ersten Großkampftag, kamen mein Schwiegersohn und ein Freund und haben den Keller ausgeräumt, Schränke abgebaut und zerlegt und eine Fahrt zur Entsorgung gemacht. Einige Möbelstücke die in der neuen Wohnung nicht passen sind schon oder werden noch annonciert / verkauft und die letzten Dinge verpackt. Am kommenden Freitag fahren dann meine Söhne mit dem Umzugswagen vor und mein ganzes Hab und Gut wird verladen.
Nun trinke ich eine Tasse Tee, packe eine Tasche und fahre wieder für zwei Tage in den Norden, denn der Ersatztermin des Möbelhauses steht für morgen auf dem Plan.
Einen schönen Sonntag euch allen.
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